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Franz Liszts "Christus" in der Kölner Kirche St. Agnes
"...keineswegs zeigt sich hier ein weltgewandter Star, der die Soutane nur anlegt, um sich für den Posten eines päpstlichen Kapellmeisters zu bewerben. Was hier musikalisch verhandelt wird, ist für ihn existenziell" - so Michael Heinemann über den Komponisten des "Christus" im Programmheft zur Kölner Aufführung, die erstmals am traditionellen "Aschermittwoch der Künstler" in der schönen neugotischen Kölner St. Agnes Kirche stattfand.
Unter der Leitung Richard Mailänders boten mit vereinten Kräften der Junge KonzertChor Düsseldorf, der figuralchor köln, das Neue Rheinische Kammerorchester und die Solisten Daniela Dott (Sopran), Alexandra Thomas (Alt), Kevin Shen (Tenor) und Thilo Dahlmann (Bass) neben einer Reihe anderer Mitwirkender eine sehr beeindruckende Aufführung von Liszts faszinierendem Oratorium. Musikalisch gut einstudiert, dramaturgisch durchdacht und mit liebevoller Detailarbeit vorgetragen, war der Abend nicht nur ein musikalischer Genuss. So wurden beispielsweise die lateinischen Zitate (nebst deutscher Übersetzung), die Liszt selbst in die Partitur eingefügt hatte, mittels Beamer auf das großformatige diesjährige Fastentuch hinter dem Altar projiziert. Klaus Schmalenbach begleitete die musikalische Darbietung mit farbigen Ausleuchtungen der Kirchenarchitektur, die das Gotteshaus in strahlendem Blau, feurigem Rot und kühlem Weiß erstrahlen ließen - in feiner Abstimmung mit dem Inhalt von Musik und Text. Was im ersten Moment die Befürchtung eines kitschigen events aufkommen ließ, entwickelte sich im Laufe der drei Stunden währenden Aufführung zu einer gleichermaßen meditativen wie begeisternden Feier.
Zu danken ist insbesondere Richard Mailänder, der sich intensiv mit Liszts "Christus" auseinander gesetzt hat - von der Suche nach den "richtigen" Noten bis zur Frage, ob das Oratorium in Köln schon einmal aufgeführt wurde (welche sich leider kurzfristig nicht klären ließ). So fand er auch zu seiner eigenen Interpretation, die den Zuhörern, welche die wenigen bekannten Einspielungen kennen, einige neue Aspekte und Verständnisebenen bieten können. Eine insgesamt sehr gelungene, runde und unbedingt hörens- und sehenswerte Produktion, die eine Reise nach Köln in jedem Falle lohnt.
Grabriele M. Fischer