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Kölnische Rundschau im März 2006
Franz Liszts großes Oratorium "Christus" in St. Agnes aufgeführt
Ein Bild strahlender Demut
Unter dem Titel "Christus" entwickelte Franz Liszt in Rom ein Oratorium, das der Größe des Themas angemessen sein wollte: Ein großes Orchester, verschiedene Chorbesetzungen, vier bis fünf Solisten und die Orgel werden bemüht, das Leben des Erlösers in Tönen nachzumalen.
Beim Aschermittwoch der Künstler in der voll besetzten Kirche St. Agnes trat noch eine gelungene Lichtregie dazu, um die verschiedenen Szenen und Stationen ein- bzw. auszublenden: Ein aufwendiges Projekt erzielte einen großen Erfolg. Liszts Bedeutung in seinen Tagen war die eines musikalischen Übervaters: Er war Virtuose, wissenschaftliche Kapazität und Pädagoge, er war eine Zentralfigur der europäischen Musikszene.
Im "Christus" wagnerte es in den Orchesterpassagen, es brucknerte im Blech und klang motettenhaft in den Chören. Liszts Sinfoniae sind Tondichtungen, mit pastoralen Ausmalungen, mit starken Holzbläser-Chören, mit sphärischen Streicherflächen, mit gregorianischem Fernchor aus der Seitenkapelle, mit a-cappella-Chorpassagen, mit Dialogen zwischen Chor und Orgel, die das Publikum im Kirchenraum umschließen. Auch diese simple farbenreiche Abwechslung ließ das immerhin gut dreistündige Werk kurzweilig wirken.
Licht betonte Überblendungen
Verstärkend, weil harmonisierend, waren die Überblendungen der Szenen, die sinnvoll von Klaus Schmalenbachs Lichtregie erhellt wurden. In den großen emotionalen Szenen glänzte der einfühlsam intonierende lyrische Bariton Thilo Dahlmann. Singende Hauptakteure des Oratoriums waren aber die Chöre, hier die frisch und sicher klingenden Ensembles Junger KonzertChor Düsseldorf und der Figuralchor Köln, dessen Leiter Richard Mailänder auch als Gesamtleiter besonnen waltete.
Der Akustik angemessene Tempi für das Neue Rheinische Kammerorchester gingen nicht auf Kosten innerer Spannung und temperamentvoller Dramatik: "Christus" besaß Tiefe, Seele und große Geste, ein Charakterbild in strahlender Demut.
Olaf Weiden