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Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 27.12.2001
Der "Messias" von Georg Friedrich Händel in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Marien
Kirchenjahr an einem einzigen musikalischen Abend
Neuss. Angekündigt war und auf dem Programmzettel stand mit Sonderstempel prangend eine "Abendmusik". Das allein stimmte am Vorweihnachtstag die Zuhörerschar in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Marien schon erwartungsvoll genug, und "Der Messias, Oratorium in drei Teilen von G. F. Händel, bearbeitet von W. A. Mozart", tat es erst recht. In der Literatur wird diese Komposition geradezu überschwänglich gefeiert als "das unter Händels Werken, das den Genius des Meisters mit der Aureole der Unsterblichkeit umwebt". Schön gesagt und nichts weniger als absolut zutreffend.
Mozart hat einige kompositorische Veränderungen vorgenommen, etwa die Partitur gekürzt, Arien gestrichen oder durch Rezitative ersetzt. Die instrumentalen Teile dieses Oratoriums erschließen sich dem Zuhörer auf Anhieb, aber die Soli und Chöre sind zunächst gewöhnungsbedürftig. Aber dann ist nicht nur das Ohr "drin", dann wird man in einer Intensität in den Bann geschlagen, wie es im Konzert nur sehr selten geschieht. Zweieinhalb Stunden Konzertdauer erscheinen anfangs kaum zu bewältigen, aber am Ende sind sie im Fluge vergangen. Und dann ist das Ende für den Zuhörer viel zu früh da.
Das hat auch eine Menge mit dieser Aufführung und mit den Akteuren zu tun. Allen voran (und eine Rezension hat das Recht, solchen subjektiven Schwerpunkt zu setzen): der fantastische Guido Harzen. Mit welcher scheinbaren Leichtigkeit, hinter der so immens viel Können, Arbeit und Engagement stehen, der Dirigent und Chorleiter zu Werke ging! Und wie er den Jungen KonzertChor Düsseldorf und die Junge Philharmonie Düsseldorf sowie die vier Solostimmen zusammenführte! Ihre Namen: Sabine Schneider (Sopran), Antje Glatz (Alt), Gregor Finke (Bass). Hinzu kam Stefan Palm am Cembalo. Junger Chor und Philharmonie streben im übrigen eine dauerhafte Partnerschaft an, für die dieses Konzert in St. Marien so eine Art Pilotprojekt war.
Mit einem solchen Ensemble hatte es Guido Harzen also zu tun, und er nutzte dessen Potenzial sowie die Text- und Notensetzung voll aus. Die lächelnd (!) gegebenen Einsätze stimmten auf den Punkt. Wenn umfangreichere Stücke einen höheren Schwierigkeitsgrad signalisierten, munterte der Dirigent fröhlich auf, appellierte resolut an Chor und Philharmoniker oder übertrug einfach seinen eigenen Schwung. So wurde das ganze Leben Jesu in Musik gefasst, erlebte das ergriffen lauschende Publikum in der vollbesetzten Kirche das gesamte Kirchenjahr an einem einzigen Abend.
Klar doch, dass auch bei diesem Konzert in Neuss alles auf das berühmte "Halleluja" hinauslief. Aber ebenso auffallend und gelungen waren die kleinen eingestreuten musikdramaturgischen Preziosen. Besonders zu nennen sind dort die Ouvertüre, die Hirtenmusik und dann, natürlich, die Arien sowie die vollen Chöre. Eine wunderbare Stimme verdient herausgehobene Erwähnung: Sabine Schneider, Sopran. Ihr waren die besonderen Glanznummern des "Messias" vorbehalten, wie beispielweise eine Arie, deren Aussage als Programm gewertet werden kann: "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt."
Klaus Niehörster