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Neuss-Grevenbroicher Zeitung vom 04.04.2002
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"Die Johannespassion" in der Josefskirche
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Der "Kleineren" gerecht geworden
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Wer am Karfreitag Johann Sebastian Bachs "Johannespassion" zuhört, dem fällt es schwer, eine kritische Distanz dazu einzunehmen: So passend, so liturgisch richtig sind dieser Text und diese Musik für den Tag, den Kirchenraum - Glaubensmusik für beide Konfessionen.
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Schreibt man aber darüber und kennt das Werk vielleicht sogar bestens aus eigner Chorerfahrung, so kommt man nicht umhin, die Aufführung in der Further Josefskirche durch den Jungen Konzertchor Düsseldorf und die Junge Philharmonie Düsseldorf mit fünf Gesangs-Solisten unter der Gesamtleitung von Guido Harzen ein wenig auseinander zu nehmen. Das Gute vorweg: Das gesamte Ensemble wurde der "kleineren" von Bachs Passionen gerecht. Der Schwerpunkt der Auffassung lag auf dem ergreifenden Gegensatz zwischen dramatischer Spannung im Geschehen - phantastisch die Gerichtsszene, wo selbst musikalisch überstürzte Übergänge ihre Wirkung hatten - und den betrachtenden Chorälen, die oft recht langsam mit überlegter Dynamik Ruhepunkte setzen.
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Wer den Dirigenten Guido Harzen beobachtete, bemerkte seine nahezu romantischen Ausdruck fordernden Bewegungen. Der Chor, fast schon zu groß für die geforderte Transparenz der fugierten Turbachöre, gewann an klanglicher Ausgewogenheit durch die Aufstellung der Frauen- hinter den Männerstimmen. Sehr junger Jesus Ungünstig dagegen war eine andere Aufstellung: Die Orgel (Johannes M. Strauss) sowie beide Streicher der Continuo-Gruppe waren zu weit voneinander entfernt. Dass da nicht immer alles zusammen ging, war programmiert. Im Orchester spielten hellwache Streicher und auch präsente, tonschöne und vor allem wohl durchdacht artikulierende Holzbläser.
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Die Gambistin, die mitspielte, statt nur auf ihre glanzvolle Altarie "Es ist vollbracht" zu warten, schaffte es übrigens sogar, während lauter Chorteile ihr Instrument nachzustimmen! Als Sopransolistin wirkte Susanne Duwe ein wenig zu opernhaft und spielerisch, wogegen Altistin Barbara Bergner in Auftreten und vor allem im Stimmklang den Passionston traf. Bassist Thomas Busch - ein sehr junger Jesus, was biblisch ja durchaus stimmt - überzeugte auch in den Arien. Ulf Friederichs als Pilatus und Petrus färbte die hellen Vokale zu dunkel und vergaß auch einmal das Aufstehen bei einem Einwurf.
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Dafür stand die Sopranistin einmal zuviel auf und wollte doch glatt die kurze Partie der Magd der Solistin aus dem Chor wegsingen. Mangelnde Absprache oder fehlende Konzentration? Jedoch ganz anders der Eindruck von Tenor Andreas Fischer: Einen so flexiblen und hoch motivierten Evangelisten hört man selten. Herausragend war seine Darstellung des Weinens Petri oder der Geißelung, ebenso aber das Engagement bei eher trockenen Erzählpassagen. Und an stimmlicher Kondition fehlte es ihm auch in den Arien nicht. Eine Entdeckung!
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Regina Brandt
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