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Neue Rhein Zeitung / WAZ Xanten im Mai 2002
KONZERT / Der "Junge KonzertChor" Düsseldorf agierte mit Spitzenklasse im Dom und riss die Zuhörer mit.
Eine verblüffende Performance
Xanten. Wenn der "Junge KonzertChor" Düsseldorf unter der Leitung von Guido Harzen auftritt, darf man gespannt sein auf ein außergewöhnliches Musikereignis. So war es jetzt auch wieder im Xantener Dom, in dem die 80 Sängerinnen und Sänger nicht nur Chormusik der Spitzenklasse hinlegten, sondern die Zuhörerschaft, die immerhin das ganze Mittelschiff besetzte, mit einer zeitgenössischen Chor-Performance verblüfften und hinrissen.
Darüberhinaus ist diese Singgemeinschaft auch ein Chor mit Choreographie. Denn man verblieb nich statisch auf einer Stelle, sondern agierte im ganzen Dom. Ungewöhnlich ist auch die Aufstellung: die Männerstimmen vorn, die Frauenstimmen hinten. Das sieht man nicht alle Tage.
Und nicht alle Tage hört man so eine außergewöhnliche Zusammenstellung von Chormusik aus dem 20. Jahrhundert. Zu Anfang erschall aus dem Hochchor ein filigranes "Pater noster". Es folgte von Petr Eben (*1929) ein Chorsatz aus dem Jahre 1964 mit einer nach vorne treibenden chorischen Geschlossenheit, was ein wenig an die Carmina Burana erinnerte. Die "Quatre Motets op.10" von Maurice Duruflé waren fast eine kleine Inszenierung, in der der Chor immer wieder seine Position veränderte. Damit einhergehend veränderten sich auch die vier Gesangspassagen.
Das Aufregendste und Meditativste des ganzen Konzert-Abends war wohl das "Vater unser" von Wolfgang Stockmeier, bei dem sich die Chormitglieder ringförmig nebeneinander im ganzen Dom verteilten und mit Sprechwellen den Text interpretierten, wie es in den 60-er Jahren der Züricher Kammer-Sprechchor schon vorgemacht hat.
Mit den drei lateinischen Motetten von Friedrich Metzler endete der zeitgenössische erste Teil des Programms. Als Guido Harzen beim Konzert im Dom die Pause ankündigte, verwies er fast entschuldigend darauf, dass das 20. Jahrhundert nun verlassen werde und man sich auf Romantik und Barock freuen dürfe.
Diese Art der Zurücknahme vor der Neuen Musik ist immer noch gang und gäbe. Und das ist unnötig. Zwar wurden Meyerbeer, Bruckner, Schubert, Bach und Liszt fantastisch musiziert, aber das kennt man halt. Stockmeier und Eben eben nicht so. Doch war dieses Konzert ein Chor-Erlebnis, wie man es nicht alle Tage zu hören bekommt
Elfi Kluth