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Rheinische Post Ratingen vom 23.09.2003
Gastkonzert des "Jungen Konzertchors Düsseldorf" in der Pfarrkirche St. Peter und Paul
Bitten um Frieden - neu interpretiert
Ratingen - Ein sehnlicher Wunsch nach Frieden zieht sich durch alle Zeiten und ist ein zentrales Thema der Kunst. Auch die Musik kennt zahlreiche Beispiele, wobei nach zwei verschiedenen Ausgangspositionen unterschieden werden kann: Während der Dresdner Kreuzkantor Rudolf Mauersberger in seiner "Motette vom Frieden" die schrecklichen Erlebnisse des Zweiten Weltkriegs verarbeitete, scheint Felix Mendelssohn Bartholdys über alle Maßen schöner Chorsatz "Verleih uns Frieden gnädiglich" von Vertrauen und Bitte um Fortbestand getragen zu sein.
"Da pacem, domine" - "Gib Frieden, Herr" lautete das Motto des Gastkonzerts mit dem "Jungen Konzertchor Düsseldorf" in der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Die Idee, eine ganze Veranstaltung unter das Thema Frieden zu stellen, schien verlockend. Auch bei der Ausführung schien zunächst alles gesichert, besaß das aus dem "Chor der Katholischen Hochschulgemeinde Düsseldorf" hervorgegangene große Vokalensemble doch unbestritten beachtliche Leistungsfähigkeit. Dennoch stellte sich bald ein gewisses Unbehagen ein: Die Interpretationen blieben an der Oberfläche, besaßen Wohllaut, aber die Dringlichkeit des Verlanges, der sehnlichste Wunsch, wurde kaum spürbar. Vielfach fehlte den Darbietungen einfach die Spannung. Mit mäßiger Textverständlichkeit war insgesamt wenig zu erreichen, die Artikulation hätte viel deutlicher sein müssen. Wenn eine Phrase mit großer Lautstärkezunahme gestaltet wurde, dann geschah das nicht unbedingt aus innerer Notwendigkeit, sondern aus äußeren klanglichen Gründen: Die Interpretationen waren schön und dabei doch unverbindlich. Das Bestreben, große zusammenhängende Einheiten aufzubauen, war nur selten zu erkennen.
Innerlichkeit ging verloren
Der von Guido Harzen geleitete "Junge Konzertchor Düsseldorf" war um Abwechslung bemüht, bezog ausgiebig den Kirchenraum in sein Programm ein und wählte drei verschiedene Grundpositionen. Ob die Wahl mit drei "Agnus-Dei"-Vertonungen des zwanzigsten Jahrhunderts glücklich war, möge dahingestellt bleiben. Warum der Chorleiter ein als Einzelstück wenig attraktives Orgelstück von Jean Langlais beisteuern musste, war fraglich. Der abschliessende Mendelssohn-Chorsatz "Verleih uns Frieden gnädiglich" war durch eine viel zu laute Orgelbegleitung leider völlig um seine Wirkung gebracht. Da ging jede Innerlichkeit gründlich verloren.
Das Chorprogramm wurde aufgelockert durch Instrumentalbeiträge des Ensembles "Umbach & Consorten". Was die Stücke von Elke Martha Umbach (Traversflöten), Katie Riemann (Barockvioloncello) und Wiebke Weidanz (Hammerflügel) mit dem Hauptthema zu tun hatten, möge dahingestellt bleiben. Interpretatorisch galt das bereits für den Chor Gesagte: beachtliches Können, aber kaum einmal ein großer Zusammenhang und leider eben auch viel Unverbindlichkeit.
Michael Tegethoff