Chagalls Geborgenheit

Westdeutsche Zeitung vom 28.09.2000

Chagalls Geborgenheit

Beim Altstadtherbst: Hommage à Petr Eben mit dem Jungen Konzert Chor unter Guido Harzen

Tanja Heil

In den Schlusston hinein klingelte ein Handy; offenbar sind solche Störungen heute unvermeidbar. Davor hatte der Junge Konzert Chor Düsseldorf unter Guido Harzen zusammen mit dem Oganisten Stefan Palm einen bemerkenswerten Einblick in die Werke des 1929 geborenen tschechischen Komponisten Petr Eben gegeben.
Die Kirche St. Andreas bot für die aus alter Glaubenstradition heraus entstandenen Kompositionen den passenden Rahmen. Als Einstieg spielte Palm das einzig “fremde” Werk des Abends. Präludium, Fuge und Ciacona C-Dur von Buxtehude, auf das sich Ebens “Hommage à Dietrich Buxtehude” bezieht. So wurden die Zitate und vor allem die Übersetzung in eine veränderte Welt deutlich: Wie eine Spieluhr begann Palm mit der stetigen, kleinräumigen Bewegung, die anfangs weitgehend tonal blieb, bis sich schräge Untertöne einmischten. Es folgte ein tastendes, äußerst prägnantes Thema, dann wieder ein schwebender Klangteppich mit schrillen Feuerwehrmotiven und ein relativ bombastischer Schluss.
Auch in den Werken für Chor a capella war deutlich der Einfluss romantischer Chormusik zu spüren. Lyrisch zogen sich Klangbänder mit leicht erweiterter Harmonik durch den Chor, der auch schwierige Akkorde ohne Probleme meisterte. Einziger Schwachpunkt: Die kleine Gruppe der Tenöre klang etwas blass. Ansonsten zeigte sich das Ensemble jedoch vertraut mit den modernen Klängen und Rhythmen; und auch die Texte waren auffällig gut zu verstehen.
Bei den “Versetti” stellten die Männer die Gregorianischen Choräle, auf die sich das Orgelstück bezieht, vorne an. Wie ein Aufschrei folgte die Orgel mit dissonanten, gegenläufigen Melodien, in denen die Gregorianik kaum mehr erkennbar war.
Das “Salve Regina” für Chor erinnerte mit seinen betonten Vorschlägen an Carl Orff und zeigte, dass der Chor auch über hervorragende Solisten verfügt.
Zur Multi-Media-Show wurde “Fenster” für Orgel und Trompete: Hierzu projezierte man die Kirchenfenster Chagalls, auf die sich das Werk bezieht, auf eine Leinwand. Dadurch ließ sich verfolgen, wie Eben die Wellenbewegung des Wassers, die Geborgenheit zwischen zwei Händen oder das rot lodernde Jüngste Gericht musikalisch nachzeichnete.
Aus den politischen Ereignissen der Wende heraus entstand das Prager Te Deum, was sich allerdings in der Musik kaum niederschlägt. Weich setzte der Chor das Sanctus gegen vielstimmig wirbelnde Rhythmen. In der Zugabe, dem Abendlied von Joseph Rheinberger, demonstrierte man dann, dass der Chor auch die differenzierte Klanglichkeit der Romantik mühelos beherrscht.

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