Ode an die Freude mit Großaufgebot

Rheinische Post, 1. Mai 2018

Krefeld. Die Bayer Symphoniker musizierten mit mehreren Orchestern und Chören. Vor allem die Musiker überzeugten.

Von Heide Oehmen

 

Großes hatte sich Thomas Schlerka, der Künstlerische Leiter der Bayer-Symphoniker, für das jüngste Konzert im fast lückenlos gefüllten Seidenweberhaus vorgenommen: die Sinfonie Nr.9 d-Moll von Ludwig van Beethoven. Aber nicht in der allgemein bekannten Fassung, sondern in der Bearbeitung von Gustav Mahler. Dieser hatte, angeblich “um den Willen Beethovens, der durch zunehmende Taubheit in seiner Wahrnehmung eingeschränkt war, nachzufühlen”, die Zahl der Instrumentalisten erheblich erhöht. So fügte Schlerka seinen rund 60 Bayer-Symphonikern noch einmal nahezu so viele Musiker der Philharmonischen Gesellschaft Düsseldorf hinzu, eines Orchesters, dem er ebenfalls vorsteht.

Vor dem Hauptwerk spielte der sich bewundernswert homogen präsentierende riesige Klangkörper zwei Tongemälde zur Einstimmung. Zunächst die “Tragische Ouvertüre” von Ernst Boehe (1880-1938), einem weitgehend vergessenen Komponisten. Boehes spätromantische, sehr ansprechende und wirkungsvolle Tonsprache ist von Richard Strauss ebenso beeinflusst wie von Johannes Brahms und Richard Wagner. Mit energischer Zeichengebung entlockte Schlerka seinem Großorchester Expressives ebenso wie wuchtigen Gesamtklang. Neben zahlreichen instrumentalen Preziosen seien die Klarinettensoli besonders erwähnt.

Ausschließlich den Streichern und der ausgezeichneten Harfe oblag das durch den Visconti-Film “Tod in Venedig” berühmt gewordene Adagietto aus der 5. Sinfonie von Gustav Mahler. Hier dauerte es ein wenig, bis der versprochene “zauberhafte Sphärenklang” erreicht war, der dann aber umso schöner erstrahlte. Die ersten drei Sätze der Beethoven-Sinfonie zeigten wieder einmal, zu welchen Leistungen Liebhaber-Orchester fähig sind, wenn sie qualifiziert geführt werden. Leider applaudierte das Publikum nach jedem Satz, so dass die von den Instrumentalisten mit viel Einfühlungsvermögen und großem Einsatz aufgebaute Stimmung immer wieder neu entwickelt werden musste. Für den Schlusschor “Ode an die Freude” betraten der Audienda-Chor Krefeld und der Kammerchor Oberpleis (einstudiert von Pavel Brochin), die drei von Guido Harzen geleiteten Chöre Junger KonzertChor Düsseldorf, Chorgemeinschaft St. Josef/St. Thomas Morus und Gospelchor St. Josef Neuss sowie der von Schlerka einstudierte Frauenchor der Klingenstadt Solingen das Podium. Die Sängerinnen und Sänger zeichneten sich durch makellose Intonation – auch in schwindelnden Höhen – und beachtliche Strahlkraft aus. Dass ihnen allerdings meist extremstes Fortissimo und fast durchgängig Non-Legato-Singen abverlangt wurde, trübte den Eindruck. Mit Alexandra Untiedt, Sopran; Viola Zimmermann, Alt; Thomas Piffka, Tenor und Sebastian Pilgrim, Bass war das Solistenquartett stimmstark besetzt. Das Publikum feierte vehement alle Mitwirkenden. Hier sei noch einmal das Orchester gelobt – es leistete Außergewöhnliches.