Ein Klanggemälde zelebriert

Neuss-Grevenbroicher Zeitung, 14. April 2003

Ein Klanggemälde zelebriert

Am Palmsonntag setzte Guido Harzen, Kantor an der Nordstadtpfarre St. Josef und zugleich Leiter des Jungen “KonzertChors Düsseldorf” und der Jungen Philharmonie Düsseldorf mit diesen beiden großen Ensembles seine Reihe der “Further Konzerte” fort. Er hatte Werke ausgewählt, die selten zu hören sind und zum Teil den Beginn der Karwoche einleiten konnten.
In kleiner Chorbesetzung erklang zunächst “In monte oliveti” des böhmischen Komponisten Jan Dismas Zelenka, eine kammermusikalische frühbarocke Behandlung des Gebetes Jesu am Ölberg. Von Jörg Nienhaus (Orgel) und Anke Müller (Violoncello) umsichtig begleitet, entledigte sich das Vokalensemble dieser Introduktion schlicht und sicher, vor allem in den Männerstimmen aber nicht sonderlich homogen.
Das änderte sich, als sich dann alle Männerstimmen des Chores zusammenstellten, um die Karfreitagsmotette “Tenebrae factae sunt” für Männerchor, Flöte, Oboe und Klarinette von Karl Höller in einem interessanten Hörbild zu präsentieren. Der 1907 in Bamberg geborene Komponist hat als Musikpädagoge vor allem in seiner Zeit als Präsident der Münchner Musikhochschule (1954-1972) zahlreiche zeitgenössische Komponisten geprägt.
Karl Höller, 1987 gestorben, begegnet dem Konzertbesucher heute vor allem mit seinen Werken für Orgel oder auch Orchester. Seine Motette, in der die wesentlichen Aussagen des Karfreitags zusammengefasst sind, war der eigentliche Höhepunkt dieses “Further Konzertes”. In einer kurzen Sinfonia konnte sich der Zuhörer auf das klanglich interessante und perfekte Zusammenspiel der drei Instrumente Oboe (Philipp Klees), Flöte (Friederike Rahloff) und Klarinette (Jörn Bretschneider) konzentrieren, bevor der Männerchor cappella “Finsternis brach ein” lateinisch deklamierte.
Höller baut die drei Sätze akademisch streng auf, in einer fast konservativen Musiksprache, harmonisch deutlich auf die Musik des 20. Jahrhunderts zurückgreifend und doch in sehr persönlichem Duktus. Die 32 jungen Männer des Chores zelebrierten diese Musik in einem Klanggemälde, das begeistern konnte: Männerchor in seiner schönsten Art. Dass die Frauen des Jungen KonzertChors Düsseldorf ihrem Pendant an stimmlicher Reife, klanglicher Frische und guter Ausbildung in nichts nachstehen, zeigte das umfangreichste Werk des Abends, das Oratorium “Christus am Ölberge” van Beethovens.
Großes symphonisches Orchester – die Junge Philharmonie spielte bis auf ganz wenige Ungenauigkeiten in den 1. Streichern geradezu professionell auf – und die absolut überragenden und Opern – erfahrenen Solisten Yvonne Frazier (Sopran), Marc Horus (Tenor) und Rolf Scheider (Bariton) standen dem Chor zur Seite. Auf dieses Oratorium von 1803 blickte Beethoven später nur noch mit Unbehagen zurück.
So mag es auch manchem Zuhörer gegangen sein. Diese in vielen Parallelen an “Fidelio” erinnernde große Opernmusik mit schwachem Libretto sprengte den Rahmen, den die St. Joseph-Kirche bietet. Guido Harzen, der das riesige Gesamtensemble punktgenau und äußerst souverän leitete, hatte hier ein Werk für den falschen Ort gewählt – – übrigens auch zum falschen Zeitpunkt. Aber: starker Applaus für die Gesamtleistung.

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