Ein Aufschrei ohne Aussagekraft

Westdeutsche Zeitung, 02.Oktober 2002

Bernd (Ulrich) Rasches “Messe”, Ein Aufschrei ohne Aussagekraft

von Lars Wallerang

Schauerlich gellte die Sopranistin Yvonne Frazier auf im Agnus Dei der “Messe concertant” von Bernd Ulrich Rasche (geboren 1954), die beim Altstadtherbst uraufgeführt wurde. Dies ist einer der dramatischen Kulminationspunkte des tonal konzipierten Werkes, ein erschreckender Aufschrei, indes ohne jegliche zwingende Aussagekraft.
In der gut besuchten Maxkirche erklang mit dieser Messe eine Musik, die stilistisch dem ganz frühen 20. Jahrhundert anghören müsste. Bernd Ulrich Rasche schien sich an der französischen Spätromantik orientiert zu haben. Immer wieder klingt es nach Poulenc oder Milhaud, aber auch weitere tänzerische Rhythmen à la Astor Piazzolla prägen weite Passagen.
Mit der Modernität ist es in dieser Messe für Soli, Chor, Orgel und Schlagwerk nicht weit her, oder besser gesagt: sehr weit her. Rasches Bad in der Romantik hat auch mit Postmoderne nichts zu tun, lässt eher ans Musical-Genre denken. Die ariosen Soli hätten teils aus der Feder Lloyd Webbers stammen können. Immer wieder tauchen hübsche Melodien auf, einige reizvolle Orgelpassagen sind zwar auch dabei, klingen aber leider wie schon mal gehört.
Wacker hielten sich die Solisten, neben der Sopranistin Yvonne Frazier noch die Altistin Sabrina Kunze und der Bariton Rolf Scheider. Auch der “Junge Konzert-Chor Düsseldorf” gab sich unter der Leitung Guido Harzens redliche Mühe mit der Intonation.
Bernd Ulrich Rasche, der den Orgelpart selbst spielte, war vermessen genug, die Erstausgabe seiner Komposition der Stadt New York – “bezugnehmend auf die Ereignisse am 11. September 2001” – zu widmen. Schwamm drüber.

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